Wer war Paul Wolf?
Vor einigen Monaten erhielt ich eine Anfrage der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, ob ich zu meinem Großvater Christian Wolf (geboren. 1904 in Remscheid und gestorben 1958 in Berlin) Informationen hätte.

Einen von meinem Opa geschriebenen Lebenslauf und Fotos konnte ich dem Archiv zur Verfügung stellen. Mein Großvater war im Widerstand gegen das Naziregime aktiv und hat, wie viele andere Remscheider, am spanischen Bürgerkrieg als Mitglied der Interbrigaden teilgenommen.
„Ob ich denn auch Daten über einen Paul Wolf hätte? Der war doch der Bruder ihres Opas?“ wurde ich gefragt.
Den Irrtum Paul Wolf wäre der Bruder meines Opas Christian konnte ich schnell aufklären. Weiteres wusste ich nicht.
Das ließ mir keine Ruhe und nach einigen Telefonaten war mir klar, dass mir Bernhard Brügmann, ehemaliger Bezirksvertreter der SPD im Süd-Bezirk meiner Heimatstadt, weiterhelfen konnte. Am 21.02. trafen wir uns und er konnte mir tatsächlich viel über seinen ehemaligen Nachbarn Paul Wolf berichten und zahlreiche Dokumente überlassen. Ich habe diese heute gesichtet und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand eine Antwort gesendet. Ich hoffe, dass ich hiermit einen kleinen Beitrag liefern konnte, um das Andenken an einen der vielen Widerstandskämpfer aus Remscheid wach zu halten. Die Originaldokumente werde ich nun dem städtischen Archiv übergeben.
Aus den Aufzeichnungen von Bernd Brügmann ergibt sich: Paul Wolf wurde am 30. März 1907 in Remscheid geboren. Bereits als Schüler ist er beim Kampf gegen den Kapp-Putsch 1920 als Melder beteiligt. 1933 flieht er vor der Verfolgung durch die Nazis aus dem Deutschen Reich zunächst in die Niederlande. Ab 1936 kämpft er in den Internationalen Brigaden und wird zweimal verwundet. Er flieht mit vielen anderen Kämpfen nach der Niederlage nach Frankreich, wird dort interniert und lernt in einem der Lager unter anderem den früheren Remscheider Stadtarzt Friedrich Wolf kennen. Nach der Besetzung Frankreichs flieht er weiter in die Schweiz und kehrt von dort 1950 in die Bundesrepublik zurück und arbeitet als Journalist. In der Schweiz wird er Mitglied der Bewegung „Freies Deutschland“ in der Schweiz.
Nach dem Krieg gründet er die Deutsch-Polnische-Gesellschaft für Wirtschaft und Kultur in Düsseldorf. Hierbei trifft er erneut auf Friedrich Wolf, der inzwischen erster Botschafter der DDR in Polen ist. Paul Wolf trägt mit seiner Arbeit zur Aussöhnung bei und legt den Grundstein für die wirtschaftlichen Beziehungen mit Polen. Sein jahrlanges Wirken als Präsident der Deutsch-Polnischen Gesellschaft werden u.a. von Berthold Beitz und durch den polnischen Staat mit dem höchsten Verdienstorden gewürdigt. Während eines Vortrags vor Wirtschaftsvertretern in Düsseldorf stirbt Wolf 1976 an den Folgen eines Herzinfarkts. Er ist auf dem Friedhof in Remscheid-Bliedinghausen unter großer Anteilnahme beigesetzt worden. An der Trauerfeier nimmt auch der polnische Botschafter teil. Im Gespräch ergänzt Bernd Brüggmann noch, dass Paul Wolf selbst Geige spielte und die klassische Musik liebte. Bis zum seinem Tod waren der Kommunist Wolf und der Sozialdemokrat Brügmann als Nachbarn eng befreundet und wohnten mit ihren Familien in einem gemeinsamen Haus.